WM ohni Scheiss – Tag 4

tägliche Randbemerkungen von Herrn Kikos zum Männergekicke um den Weltpokal der Nationen 2026

Juni 14, 2026

BRASILIEN – MAROKKO 1 – 1

Auf dem Papier: vielversprechend. Brasilien hält den WM-Titel-Rekord, ist auf den Flügeln brillant besetzt und hat seit Sommer 2025 Carlo Ancelotti, sowohl Erfolgs-Trainer wie auch verurteilter Steuerbetrüger als Coach, haderte aber während der Qualifikation mit sich selbst und den launigen Auftritten seiner Stars.

Marokko hat eine technisch starke Truppe und ist vielleicht amtierender Afrikameister (das denkwürdige Afrika-Cup-Finale 2026 gegen den Senegal steht kurz vor Schluss nullnull. Nachspielzeit: Ecke, Tor für Senegal. Denkste. Angeblich vorher Foul. Zwei Minuten später angeblich Foul auf der Gegenseite und Penalty für Marokko. Senegal, vom marokkanischen Publikum bepöbelt und vom Schiri verarscht, verlässt das Spielfeld, kehrte erst 20 Minuten später zurück, um den Strafstoss als letzte Aktion des Spiels über sich ergehen zu lassen. Marokko, kurz vor dem Titel, scheitert kläglich. Verlängerung: Senegal einsnull = Titel. Nachspiel: Marokko protestiert beim Verband und bekommt Recht = Titel. Nachspiel zum Nachspiel: Senegal zieht vor ein internationales Sportgericht. Entscheidung steht noch aus).

Papier hält Versprechen: die Partie ist rassig. Marokko spielt zu Beginn stark und gekonnt nach vorne und Brasilien fast an die Wand. Konsequenz: nulleins nach 21 Minuten. Brasilien schwimmt weiterhin, gleicht aber durch eine geniale Aktion von Vinicius Jr. aus und bekommt dadurch Auftrieb. Ein rasantes Hin-und-Her entwickelt sich, ohne dass eins der Teams noch nachlegen kann.

Lieblingsszene: Die Tanzeinlage eines Marokko-Supporters, die nach dem einsnull von der Kamera eingefangen wird.

HAITI – SCHOTTLAND 0 – 1

Die Schotten wie erwartet, hauen sich hinten in alles rein, sind vorne effizient und führen nach einer halben Stunde einsnull. Haiti überrascht mich. In fast allen Belangen einen Tick besser. Sehenswert: Ballbehandlung, Passspiel und Drang nach vorn. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, aber wenig Zielwasser. Schottland gewinnt das Spiel, Haiti meine Hochachtung.

Lieblingsszene: Vor Anpfiff. Haitis Nr. 20 hält offenbar nicht viel vom Hymenengegröle. Oder er ist traurig oder hat den Text vergessen. Jedenfalls hält er sympathischer Weise beim Singen demonstrativ die Klappe.

AUSTRALIEN – TÜRKEI 2 – 0

Der türkische Teil des Publikums benimmt sich so kreuzdebil wie immer und liefert bei jedem gegnerischen Ballkontakt ein vehementes Pfeifkonzert. Truthahn mag das Land nicht mehr heissen. Gut für den Vogel. Halbzeit eins und zwei fast identisch. Die favorisierte Türkei um Spielaufbau bemüht, der meist am Strafraum endet. Australiens Matchplan geht auf: hinten kompakt stehen, vorne kontern und Tore machen. Das gelingt vor und nach der Pause je einmal und ist verdient.

Lieblingsszene: Das zwonull von Connor Metcalfe. Erstens spielt er beim FC St. Pauli und zweitens bringt er die türkischen Fans endgültig zum Gähnen und zur Verzweiflung.

DEUTSCHLAND – CURACAO 7 -1

Der Kantersieg der Deutschen gegen die Nr. 82 der Weltrangliste ist wohl kaum eine Überraschung. Eher schon der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer von Curacao. In der ersten Hälfte hat es noch die Kraft, sich hinten in alles reinzuwerfen, nach vorne ab und an Konter zu fahren und das besagte Tor zu erzielen. In der zweiten konnte es diesen Level nicht mehr halten und musste durch spielfreudige Deutsche ein Packung hinnehmen. Gut, dass Nagelsmann Neuer ins Tor berufen hatte. Wäre sonst wohl eine verdammt knappe Kiste geworden.

Lieblingsszene: Curacaos Ehrentreffer von Livano Comenencia. Erstens spielt der beim FC Zürich und zweitens bringt er mit dem ersten Treffer bei der ersten WM-Teilnahme von Curacao, alle 158.000 Einwohner seines Landes mit Sicherheit in Partystimmung.

NIEDERLANDE – JAPAN 1 -1

Zähe erste Hälfte. Japan macht die Räume extrem diszipliniert dicht und Oranje geht noch kein volles Risiko. Darüber tröstet Halbzeit zwei mit vier sehr hübschen Toren hinweg. Die Niederländer drücken nun intensiver. Platzierter Kopfball van Dijk – einsnull. Japan muss reagieren. Japan reagiert. Nakamura schiesst und trifft sehenswert, einseins. Oranje drückt erneut. Summerville zieht wunderschön vor der Strafraumgrenze ab, zweieins. Die Europäer schalten in Verwaltungsmodus. Fehler. Kurz vor Schluss, Ecke Japan, Ogawa köpft das Haupt von Kollege Kamada an, der gar nicht weiss wie ihm geschieht und der Ball landet formvollendet im Giebel.

Liebslingsszene: Schiri Ismail Elfath rempelt im Mittelfeld einen Japaner gelbwürdig um, gibt sich aber grosszügiger Weise selbst keine Verwarnung.

VERNUNFT – SVP 55 – 45

In der Schweiz wurde u.a. über den Vorschlag der rechtspopulistischen Parteisimulation SVP abgestimmt, künftig den Oberdeckel der Einwohnerzahl auf 10 Mio. zu beschränken. Vorschlag zur Geburtenkontrolle? Keineswegs. Absicht: Zuwanderungsbeschränkung. Neben dem üblichen Schüren von Xenophobie, war das Ziel der milliardenschweren SVP-Bosse, die Anzahl ausbeutbarer Saisonarbeitskräfte deutlich zu erhöhen, den Lohnschutz aufzuweichen und nebenbei die Vereinbarungen mit der verhassten EU zu torpedieren.

Beruhigend: Die Initiative wurde vom Volk abgelehnt. Weniger beruhigend: Der Dummheit fehlen nur ca. 5-6 % zur Mehrheit.